Dylan Graves und Blair Conklin haben in Japan eine seltsame Wedge-Welle gesurft, die an einer massiven Hafenmauer reflektiert wird — und sind nach eigener Einschätzung die ersten Surfer überhaupt, die das gemacht haben. Veröffentlicht hat Conklin das Material diese Woche; Surfer Magazine ordnet es als einen der ungewöhnlichsten Novelty-Sessions des Jahres ein.
Hintergrund: Novelty Waves — also „seltsame” Wellen abseits klassischer Pointbreaks und Reefs — sind in den letzten Jahren zur eigenen Disziplin geworden. Dylan Graves treibt diese Spielart mit seiner YouTube-Serie Weird Waves seit Jahren voran. In der neuesten Folge ist er mit Skim-Spezialist Blair Conklin unterwegs an einem japanischen Hafen, in dem eine Swell-Welle frontal gegen eine senkrechte Seemauer läuft und als Rebound-Wedge wieder rausläuft.
Was passiert ist
Conklin und Graves filmen mit dem japanischen Filmer Ryunosuke Tomizawa. Der Spot ist namentlich nicht genannt — typisch für die Szene, um Crowds zu vermeiden. Die Welle bricht nicht klassisch über einem Riff, sondern entsteht aus der Reflexion der Hauptdünung an der Mauer: kurze, A-förmige Wedges mit harter Drop-In-Kante. Beide reiten mehrere Wellen im sogenannten Acid-Drop-Stil — also senkrecht hineinspringend statt mit Paddle-Take-Off.
Der Einstieg ist Teil der Story: Es gibt keinen Channel und keinen Strand zum Rauspaddeln. Die Surfer müssen sich an der Mauer hochwaschen lassen, einen einzigen brauchbaren Felsgriff finden und im Timing einer einlaufenden Welle abspringen. Conklin sagt dazu nüchtern: „Aus dem Wasser zu kommen war nicht leicht.” Das Setup erinnert an Skateboarding mehr als an klassisches Surfen — eine Beobachtung, die Conklin selbst macht.
Was das bedeutet
Für die deutschsprachige Szene ist das Video aus zwei Gründen interessant. Erstens zeigt es, wie sehr sich das Surf-Verständnis verschoben hat: Statt der makellosen Pointbreak-Linie zählt heute auch der kreative Umgang mit Spots, die früher als unsurfbar galten. Zweitens öffnet es den Blick für Mitteleuropa: Wer in Sylt, Scheveningen oder am Hossegor-Pier schon einmal eine reflektierte Wedge gesehen hat, kennt die Bewegung, nur in kleiner. Was Graves und Conklin in Japan machen, ist im Kern dasselbe — nur deutlich heftiger.
Spannend ist auch der ästhetische Rahmen, den Surfer Magazine bemüht: Die Redaktion zieht eine Parallele zu Wabi-Sabi, der japanischen Philosophie, die Schönheit in der Unvollkommenheit findet. Passt — auch wenn das Video selbst weniger Zen ist und mehr nasses Bodyslam-Material.
Was wir mitnehmen
Hang loose: Du brauchst kein Reef-Setup, um eine gute Session zu haben. Du brauchst Augen für die Wellen, die alle anderen übersehen. Und manchmal eben einen festen Felsgriff.