Torren Martyn umrundet zusammen mit Filmemacher Ishka Folkwell die Insel Tasmanien in zwei 18-Fuß-Segelkajaks und sucht dabei nach abgelegenen Surfspots. Der neue Film Southern Edge, den Carve Magazine diese Woche geteilt hat, dokumentiert die mehrmonatige Tour entlang der wilden Küste im Great Southern Ocean.
Martyn ist seit Jahren das Gesicht der Slow-Travel-Surfbewegung — Single-Fin, Wolle-Pulli, Van-Life und Reisen ohne Kontest-Druck. Sein Setup für Tasmanien geht jetzt einen Schritt weiter: Statt Auto oder Boot bewegt sich das Duo per Wind und Paddel, was die Reisegeschwindigkeit auf die Bedingungen der Insel selbst zurückfährt.
Was passiert ist
Die Idee, so beschreibt es Carve, beginnt als sportliches Vorhaben — Tasmanien per Segelkajak komplett zu umrunden. Während der Wochen auf dem Wasser kippt das Projekt in etwas anderes: ein langsames, körperliches Abtasten der gesamten Küstenlinie.
Martyn und Folkwell campen an leeren Stränden, paddeln durch enge Buchten und treffen unterwegs auf Menschen, die diesen Teil Australiens als Heimat verteidigen. Die Wellen, die sie surfen, sind nicht die berüchtigten Big-Wave-Spots im Norden, sondern entlegene, oft namenlose Reefs entlang der Süd- und Westküste — Spots, die ohne Boot oder Kajak schlicht nicht erreichbar sind.
Carve fasst die Reise so zusammen: „a rare opportunity to connect on a deeper level with the entire coastline.“ Der Film zeigt Landschaft, Tierwelt und Ozean-Energie eines Küstenstrichs, der für die meisten Surfer eine weiße Karte bleibt.
Was das bedeutet
Für die internationale Surfszene ist Southern Edge das nächste Kapitel in einem klaren Trend: weg vom Hochleistungs-Performance-Surfen, hin zu Adventure- und Expedition-Surfing. Wer Martyns vorige Filme — Lost Track Atlantic, Lost Track Tasmania, die Needessentials-Reihe — kennt, sieht hier dieselbe Handschrift: minimal, atmosphärisch, ohne Wettkampfdramaturgie.
Für die DACH-Szene ist das interessant aus zwei Gründen. Erstens passt die Ästhetik perfekt zu einem Publikum, das mit Cold-Water-Surfing in Holland, Dänemark oder Nordnorwegen vertraut ist und für das das warme Bali-Tutorial-Klischee längst ausgedient hat. Zweitens zeigt der Film, wie sich ein Surftrip auch im Jahr 2026 noch ohne Jet-Hopping organisieren lässt — Wind, Paddel und Gezeiten statt Boarding-Pass.
Tasmanien selbst rückt damit weiter ins Bewusstsein deutschsprachiger Surfer. Direktflüge gibt es nicht, der Weg ist lang — aber für Reisende, die ohnehin Australiens Ostküste planen, ist die Insel nur einen kurzen Hop von Melbourne entfernt.
Was wir mitnehmen
Manchmal ist die langsamste Reiseart die ehrlichste. Southern Edge erinnert daran, dass Surf-Kultur mehr ist als Heat-Format und Score-Tabelle — sie ist das Verhältnis zu einer Küste, einer Wassertemperatur, einem Wind.
Hang loose. Ride loud — und manchmal auch leise paddeln.